Tourismus

Ein Erfahrungsbericht und Diskussionsbeitrag von Edith Wozak Bronder über den Tourismus und seine Auswirkungen auf die Militärregierung und die Bevölkerung (Die Verfasserin ist nicht Mitglied der Burma Aktion und gibt auch nicht die Meinung unseres Vereins wider)

Der Boykott gegen Myanmar (Burma) ist unsinnig

Unsere fünfwöchige Reise in den meisten zugänglichen Gebieten in Myanmar, zu der wir uns nach vielen Diskussionen im November 2008 entschlossen, hat uns und die andren Touristen, die wir unterwegs trafen, voll davon überzeugt, dass der Tourismusboykott gegen Myanmar sinnlos ist.

Er richtet sich gegen die Militärregierung. Aber die Junta mag den Fremdenverkehr sowieso nicht und hat seit Mitte der Neunzigerjahre wenig unternommen, um ihn zu fördern. Den Generälen missfallen Touristen, die mit Kameras und Videorekorder herumlaufen, und es passt der Junta gut, dass die Bevölkerung mit westlichem Gedankengut keinen Kontakt bekommt.

Der Tourismus schafft verteiltes Einkommen und ist für viele eine der wenigen Möglichkeiten, das magere Einkommen zu verbessern und mit der restlichen Welt ein wenig Kontakt zu haben, insbesondere für Menschen außerhalb Yangon (Rangun). Die Junta verdient enorme Summen durch den Handel mit China (Edelsteine, Gold, Teak und vieles mehr) und Thailand (noch viel mehr + Erdgas, von Total betriebenen Erdgasfeldern). Die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr sind eher bescheiden. Außerdem kann man zu einem gewissen Grad staatliche Hotels und Reisebüros vermeiden und dadurch die Einnahmen der Junta beschränken.

Die Menschen in Myanmar brauchen Touristen. Das gilt ganz besonders für die Bevölkerungsgruppen, die keine Burmesen (Bama) sind (65%), sondern einer der zahlreichen ethnischen Gruppen (35%) angehören, die größtenteils in entlegenen Gebieten des Landes leben, die heute zum Teil für Touristen zugänglich sind. Der Boykott schadet der Junta kaum; er straft alle, die bereits unter der brutalen Repression leiden und vom fehlenden Willen und/oder Fähigkeit der Militärregierung, die Infrastruktur und dadurch die Lebensbedingungen zu verbessern, betroffen sind.

Aung San Suu Kyi, the Lady, hat zum Boykott aufgefordert. Sie ist eine bewundernswerte Person, aber man darf nicht davon absehen, dass sie in einem goldenen Käfig in Yangon lebt. Sie gibt selbst zu, dass sie die Lebensbedingungen der ethnischen Gruppen nicht kennt. Auf Grund ihres Hausarrests hat sie keine Möglichkeit das Land zu bereisen. Man kann bezweifeln, dass sie weiß, welche Wirkung der Boykott auf gewöhnliche Menschen hat. Die wissen übrigens nicht, dass sie dazu aufgerufen hat. Sie wird bewundert auf Grund ihres Muts, der Junta die Stirn zu bieten und weil sie die Tochter von General Aung San, ist. Er ist noch immer der große Held in Myanmar.

Um die Lage zu verbessern und die Grundlage für eine echte Demokratie zu schaffen, braucht Myanmar dringend bessere Infrastruktur, Kommunikation (nur in Yangon + in wenigen größeren Städten gibt es an gewissen Orten Zugang zu CNN und BBC), sauberes Wasser, Schulen und Krankenhäuser usw.

Die Generäle betrachten die Armee, nicht Myanmar, als ihr Land. Sie ist ein Staat im Staat, eine imperiale Macht, wie es früher, vor nicht allzu langer Zeit, die Briten waren, die sich berechtigt fühlen, hemmungslos die Ressourcen des Landes, darunter auch die Menschen, zum eigenen Vorteil auszunutzen. Die Generäle glauben, sie sind durch ihr Karma auf den Thron gesetzt worden. Die leidenden Untertanen haben schlechtes Karma und müssen für frühere Sünden büssen.

In diesem Bewusstsein muss sich die internationale Gemeinschaft stärker als je zuvor dafür einsetzten, dass die Menschenrechte respektiert, politische Gefangene befreit, persönliche Freiheit und objektive Information eingeführt werden.

Um Fortschritte zu erzielen ist es unabdingbar, dass östliche Länder wie China, Singapore und Thailand mitmachen. Ohne diese Länder kann die Junta nicht unter wirklichem Druck gesetzt werden.

Der Boykott sollte möglichst schnell aufgehoben werden. Er hat sich, was die Junta anbelangt als vollkommen unwirksam erwiesen und kommt den Generälen geradezu entgegen. Der Boykott verringert jedoch die Möglichkeiten eines großen Teils der Menschen in Myanmar, ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Man kann nur hoffen, dass viele Touristen nach Myanmar reisen. Es ist ein atemberaubend schönes Land mit wunderbaren Menschen, die es ganz sicherlich nicht verdienen, aus keinem guten Grund boykottiert zu werden.

Verfasserin: Edith Wozak Bronder

Diskussionsbeiträge bitte an kontakt@burmaaktion.de

2 Kommentare zu Tourismus

  1. ich kann der verfasserin ihres artikels “sinnloser tourismusboykott” nur zustimmen.

    ich bereiste burma bis jetzt 3x, das erstemal 1976, da gabs nur ein 3tage visum für rangon.
    das letzemal war ich im februar 11 dort.

    ich bin foto- videograf, besuchte bestimmte orte und kam in kontakt mit leuten vor ort. nach einer gewissen anlaufszeit hatte ich sehr gute gespräche auch über politik.

    man kann nur hoffen, dass viele touristen nach burma reisen und dies aus 3 gründen:
    – es verbessert ganz klar die lebensbedingungen der menschen
    – man vermittelt der bevölkerung das gefühl, dass sie nicht alleine gelassen werden
    – diese leute haben es echt nicht verdient boykottiert zu werden

    ich importiere jetzt handwerk/kunstsachen in die schweiz und dadurch gebe ich einerseits einigen arbeit und ein gewisses zusatzeinkommen, was eben die lebensbedingungen verbessert.

    ich weiss, ist nur ein tropfen auf den heissen stein, aber immer noch besser als gar kein tropfen ist meine meinung.

    willy j. matter
    zürich
    schweiz

  2. Ich sagt:

    Das klingt für mich eher so, als ob ihr versucht euren Burma-”Urlaub” zu rechtfertigen. Dass Burma ein wunderschönes Land ist bezweifelt ja niemand, aber sehr viel hat die Bevölkerung garantiert nicht von dem Geld was ihr dort lasst, es sei denn, ihr gebt es den Bedürftigen direkt in die Hand!!! Und dass ihr den auferlegten Namen der Militärjunta verwendet ist ja wohl auch das Letzte.

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